Kinder verlangen den Eltern viel ab!
Den etwas sensibleren Seelchen Mägen wird empfohlen, nicht weiter zu lesen!
Ich bin ja wirklich ziemlich schmerzfrei. Ich habe keine Probleme, wenn ich Blut sehe. Ich raste nicht komplett aus und werde hysterisch, wenn sich eines meiner Kinder irgendwelche Verletzungen zuzieht. Ich störe mich nicht an teilweise absonderlichen Gesprächsthemen bei Tisch. Ich habe selber im zarten Alter von 16 meinen Eltern unbewusst gründlich den Appetit verdorben, als ich beim Mittagessen ausführlich über das Sezieren von Rinderaugen im Bio-LK berichtet habe. Auch auf dem Schimpfwort-Sektor gibt es für mich nicht viel Neues unter der Sonne. Ich habe keine Angst vor Spinnen, Schlangen, Mäusen. Ich neige nicht zu den klischeehaften XX-chromosomal bestimmten Reaktionen.
Ich habe mich für ziemlich abgebrüht gehalten. Bis heute.
Sohn1 kam aus der Schule und packte – völlig untypisch – sofort seine Brotdose aus und kam in die Küche.
„Heute wurden in Deutsch wieder Referate gehalten und die N. hat über ‘fremdländische Delikatessen und Spezialitäten’ referiert!“
Naiv, wie ich bin, dachte ich an Wasabi-Erdnüsse und Sushi, vielleicht noch Schlangensuppe oder Krokodilsteak, aber was jetzt kam, schlug dem Fass den Boden aus!
Sohn1 öffnete seine Brotdose (Ich weiß nicht, was mich im Vorfeld schon dazu bewog zu fragen „Lebt das noch?“) und hielt sie mir freudestrahlend hin: „Hier, probier mal! Mehlwürmer!“
Ein Blick auf die bräunlichen, gut 4 cm langen DINGER, die dort stocksteif in der Brotdose lagen, genügte und ich quiekte hysterisch sagte in dieser autoritären Stimme, die wohl nur Mütter haben können: „Raus! RAUS!!! Sofort! In die Mülltonne! Auf der Stelle! Schnell!“
Wenn es scheinbar irgend etwas gibt, dass mich überschnappen lässt, sind es Insektenlarven. Nicht Schmetterlingsraupen oder Marienkäferlarven, aber Fliegenmaden (Stichwort: Biotonne im Hochsommer!) und Mehlwürmer definitiv! ARGH!!!!! Allein die Vorstellung, dass ich diese DINGER anfassen sollte, geschweige denn essen, führte zu Schnappatmung! Okay, sie waren tot und gebraten, aber trotzdem…
Sohn1 befolgte den Befehl (nein, es war keine Bitte!), zeigte sich aber absolut verständnislos. Er brach in Tränen aus und erklärte, dass die doch „wie Popcorn“ schmeckten. Meinen Einwand, dass ich, sollte ich Gelüste nach Popcorn haben, mir ebensolches kaufen würde, ließ er nicht gelten. Und vorsichtiges Nachfragen meinerseits, ob denn nicht noch andere in seiner Klasse ähnlich reagiert haben, verneinte er!!!
Alle hätten mindestens einen Mehlwurm probiert, sogar der Deutschlehrer! Und die N. (im übrigen ein deutsches Mädchen mit deutschen Eltern) habe auch Tipps zur Zubereitung gegeben („Erst eine Viertelstunde einfrieren und dann in Olivenöl anbraten und würzen!“) und das Hinterteil schmecke viel besser und die Füllung sei sehr gut, aber die Füße kitzelten auf der Zunge!!!! Wie krank ist das denn?
Wir reden hier von dem Kind, dass jedes neue Gericht zuhause misstrauisch beäugt und bei Kartoffelbrei und Spinat von Würgereiz (wirklich!) befallen wird! Und dann geht der hin und isst diese DINGER!
Nun, ich nicht! Nennt mich spießig, aber ich bin doch nicht im Dschungelcamp!
Neueste Kommentare