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Lost in translation – 2


ARRRGHHH!!!!!

Ich habe ja mittlerweile das Werk, dessen Übersetzung ich kritisiert habe, ausgelesen (und auch noch zwei andere) und habe jetzt „Mauer des Schweigens“ von James Patterson vor mir. Gestern Abend aufgeschlagen und gleich auf der ersten Seite: ARRRGHH!

Ein Teenager sitzt am Frühstückstisch und bringt seinem 13 Monate alten Bruder bei, wie man Himbeeren spuckt. Häh??? 😕 Macht das Sinn? Kirschkerne spucken habe ich schon gehört, aber Himbeeren? Und in der Küche? Am Frühstückstisch?

Liebe Edda Petri (so heißt die Übersetzerin des Werkes): To blow a raspberry heißt NICHT „Himbeeren spucken“!!! Sondern das ist dieses Prrrtfftt-Geräusch, dass entsteht, wenn man jemandem die Zunge rausstreckt und dabei prustet. Kam Ihnen Ihre Übersetzung nicht spanisch vor? Keinerlei Selbstzweifel? Herzlichen Glückwunsch! Oder einfach nur zu faul, mal ein Wörterbuch (oder das Internet) zu Rate zu ziehen? 🙄

Ein typisch englisches Idiom, dass im Deutschen keine Übersetzung hat, aber dann muss man es eben umschreiben – und nicht einen solchen Käse wie Himbeeren spucken zu Papier bringen!

Nach welchen Kriterien werden denn eigentlich Übersetzer ausgewählt? Ich bin bislang davon ausgegangen, dass jemand, der diesem Beruf nachgeht, das auch gelernt hat. Und ein gewisses Gefühl für Sprache hat. Und ein Interesse daran. Und liest denn niemand diese Übersetzungen hinterher und sagt, wenn etwas Müll ist? Vor allem gleich im ersten Absatz?

Da man aber scheinbar keine Ahnung haben muss (und davon jede Menge), werde ich mal überlegen, ob ich nicht auch irgendeinem Verlag meine Dienste als Übersetzerin antragen sollte… 😀

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Kategorien:NÄHbenbei bemerkt Schlagwörter:
  1. 8. Juli 2008 um 11:37

    Heute gefunden: Globales Positionierungssystem. Auch hübsch. Ich frage mich nur, was sie da global positionieren. Oder ob sie nicht doch das Globale Postitionsbestimmungssystem meinten…

  2. nosupermom
    8. Juli 2008 um 11:44

    Da sieht man doch aber, dass Lesen den Geist anregt… :D:

    Eben in demselben Buch: EIn paar Mädels stehen in Unterwäsche herum. Victorias Geheimnis! 👿 Victoria’s Secret ist ein Markenname, ihr Penner! Oder heißt die olle Boulettenbraterei jetzt bei euch auch „Donalds Sohn“?

  3. 8. Juli 2008 um 19:59

    Ja, das ist grausig – vielleicht solltest du wirklich Übersetzerin werden – so nebenbei? Dir würden garantiert solche Schnitzer nicht passieren und du würdest über Nacht zur gefragtesten Übersetzerin werden 🙂 – also immer ran – meine Unterstützung hast du!

    glg, Sunsy

  4. nosupermom
    8. Juli 2008 um 20:09

    Ja, klar! Ich bin ja immer noch auf der Suche nach der ultimativen Geschäftsidee, die ich von zuhause aus betreiben kann. Aber außer Callgirl ist mir noch nichts Lukratives eingefallen… 😆

    Ich befürchte nur, dass es Übersetzerinnen wie Sand am Meer gibt – und das die Verlage nicht scharf auf Frischfleisch ohne Diplom sind.

  5. 9. Juli 2008 um 08:55

    wie gruselig…
    sollte ich vielleicht froh sein, dass ich gar keine zeit zum lesen habe, weder im original noch übersetzt, weil ich dauernd spinnen, stricken und auch mal wieder nähen muss? 🙂

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