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Der Wahlkampf tobt, die Renten steigen


Die Renten werden zum 1. Juli dieses Jahres im Westen um 2,41 Prozent und im Osten um 3,38 Prozent angehoben. Laut unserem Bundesarbeitsminister sind die Renten im Westen seit 1994 und im Osten seit 1997 nicht mehr so stark gestiegen wie in diesem Jahr.

Aha…! Na toll!

Und warum, bitte schön? Macht das Sinn?

Da wurde ja flugs der Riesterfaktor ausgesetzt, um die Rentner zu beglücken (klar, ist ja auch die größte Wählergruppe)! Die Senkung der Rentenbeiträge, die die entlasten würde, die heute noch arbeiten, und die eigentlich für 2012 in Aussicht gestellt wurde, gilt nun als unrealistisch.

Aha…!

Immerhin gilt als sicher (wie lange?), dass die Beiträge bis 2019 nicht steigen. (Aber vielleicht die Steuern? Denn schließlich fließen ja jedes Jahr rd. 80 Mrd. Euro an Steuermitteln als Zuschuss in die Rentenkasse! 80 Mrd. Euro! Muss man sich mal vorstellen! Das ist der größte Haushaltsposten und mehr als der Verteidigungshaushalt (rd. 30 Mrd. Euro)!)

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich hier ziemlich verarscht fühle!

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  1. 16. März 2009 um 20:56

    Da es viele Rentner gibt, die knapp am Existenzminimum leben, ist das an sich begrüßenswert. Nur die Begründung finde ich schwachsinnig: Man verspricht sich erhöhten Konsum. Wenn ich an meine alte, nun leider verstorbene Verwandtschaft denke, so sagten die immer: „Wir sind alt, wir brauchen nix mehr“. Sie sparten lieber für ihre Beerdigung. Na denn …

    Liebe Grüße
    Jinx

    • nosupermom
      16. März 2009 um 22:39

      Das kann man so oder so sehen!

      Es gibt auch sehr viele Rentner, denen es recht gut geht, weil sie ihr ganzes Leben lang Arbeit hatten, Geld beiseite legen und ein Haus abbezahlen konnten.

      Wohingegen viele Arbeitnehmer heute Zweitjobs annehmen müssen, um über die Runden zu kommen. Von ihnen wird deutlich mehr Einsatz und Flexibilität erwartet, von ihren Steuern und Rentenbeiträgen sollen sie die Rentner unterstützen, gleichzeitig eigene Kinder großziehen und nebenbei noch Eigenvorsorge für den eigenen Ruhestand leisten.

      Warum gibt es einen Rentenanpassungsfaktor, den im Sozialgesetzbuch verankert ist, wenn er nach Gutdünken ausgesetzt werden kann?

      Ich finde, dass diese Rentenerhöhung in der jetzigen Zeit ein falsches Signal ist.

      Und ich finde, dass unser Rentensystem so ohnehin nicht haltbar ist und grundsätzlich abgeschafft und durch ein komplett anderes Modelle ersetzt werden sollte. Aber da traut sich niemand ran…

  2. Kerstin
    17. März 2009 um 13:06

    Meiner Meinung nach ist es nicht mehr als Recht, dass es Rentnern, die über 40 Jahre hart gearbeitet, brav ihre Beiträge gezahlt und gespart haben, heute den Umständen entsprechend gut geht! Um es ebenfalls mal polemisch zu sagen: Diese Rentner haben mit ihren Steuern unter anderem auch Ihre Schulbildung finanziert!

    Beiträge wie der Ihre machen mich wütend, denn sie sind einseitig und damit geeignet, Generationen aufeinander zu hetzten! Mit welchem Recht? Die Rentner können nichts für die demografische Entwicklung in unserem Land und das dadurch heute ungerechte System!!! Kein Arbeitnehmer unterstützt mit seinem Rentenbeitrag einen Rentner. Die Rente steht den Rentnern zu, denn sie haben Ihre Beiträge längst geleistet. Rente ist kein Allmosen der heute Berufstätigen an die Rentner!

    Ach ja, ich bin 39 und damit noch weit vom Rentenalter entfernt, nur damit da keine Missverständnisse aufkommen.

    • nosupermom
      17. März 2009 um 13:15

      Das ist ich definitiv anders!

      Unser Rentensystem ist ein Umlagesystem, d.h. die arbeitende und beitragszahlende Generation bezahlt die Renten der aktuellen Leistungsempfänger. Anders wäre es bei einem Kapitalstockverfahren analog zu einer Lebensversicherung, bei der jede/r auf ein eigenes Konto einzahlt.

      Und der Steuerzuschuss? Soll man den wegfallen lassen? Dann sehen wir mal, wie dann die Renten noch aussehen….

      Die Rentner können nur bedingt etwas für die demografische Entwicklung, aber sie haben jahrelang die Augen vor der demografischen Entwicklung verschlossen und sind blind den Politikern gefolgt, die behauptet haben, die Renten seien sicher. Diejenigen, die schon früh vor einem Kollaps des Systems gewarnt haben, wurden als Spinner bezeichnet. DAS ist der Vorwurf, den ich der Rentnergeneration mache: Nichts getan zu haben, um auch den nachfolgenden Generationen ein Auskommen zu ermöglichen!

  3. 18. März 2009 um 00:29

    Na, dann gehe mal mit gutem Beispiel voran und praktiziere mit Eintritt in das Rentenalter ein sozialverträgliches Ableben.
    LG Heidi

    • nosupermom
      18. März 2009 um 10:53

      Was soll denn der Kommentar? 😕

      Wenn die Argumente ausgehen, wird’s polemisch?

      Du willst damit also ausdrücken, dass du mit dem aktuellen System, das unsere und nachfolgende Generationen eklatant benachteiligt, zufrieden bist, ja?

  4. Ev
    18. März 2009 um 15:01

    Hallo No Supermom,

    ich gestehe, ich bin nur auf Umwegen hierher gekommen, weil es mich dann doch interessiert, wie und wo und um was es geht.

    Ich gestehe, dass ich auch keine Rentenfachfrau bin, ich will auch gar nicht darüber diskutieren, ob ich in diesem Zusammenhang nun fahrlässig, desinterssiert oder einfach nur-was-auch-immer bin.

    Von meiner bescheidenen, zugestanden absolut subjektiven Warte aus, wurde ich von mündigen Eltern zu einem mündigen Bürgerin erzogen, die weiß, dass es leicht ist, hinterher klüger zu sein als der Rest des Establishments.

    Diese Sätze hier tun weh (ich zitiere):

    „Die Rentner können nur bedingt etwas für die demografische Entwicklung, aber sie haben jahrelang die Augen vor der demografischen Entwicklung verschlossen und sind blind den Politikern gefolgt, die behauptet haben, die Renten seien sicher. Diejenigen, die schon früh vor einem Kollaps des Systems gewarnt haben, wurden als Spinner bezeichnet. DAS ist der Vorwurf, den ich der Rentnergeneration mache: Nichts getan zu haben, um auch den nachfolgenden Generationen ein Auskommen zu ermöglichen!“

    Ich hoffe und wünsche mir für Sie, dass Ihre Eltern keine blinden Mitläufer waren, sie somit zu keinem erzogen haben und dass Sie es heute auch immer noch nicht sind und Ihren Kindern somit ein finanziell rundum abgesichertes Rentnerdasein, abseits der Regelrente, ermöglichen.

    Ich bin ehrlich an dem Weg interessiert, den Sie beschreiten, um diesem Dilemma auszuweichen. Wo setzt Ihr Rentenfokus an? Wie sichern Sie sich ab?

    Bezüglich dieses Satzes

    „Es gibt auch sehr viele Rentner, denen es recht gut geht, weil sie ihr ganzes Leben lang Arbeit hatten, Geld beiseite legen und ein Haus abbezahlen konnten.“

    werfen sich mir diese Fragen auf:

    Wie hoch ist die ausgezahlte durchschnittliche Rente in D? Welcher Prozentsatz der Rentern in D bezieht eine sehr hohe Rente? Wieviele Renter in D sind zusätzlich auf Sozialhilfe angewiesen, um existitieren zu können? Sollten die Renten in D Ihrer Meinung nach gesenkt statt erhöht werden? Sollten Rentner, die mit Teilen ihres während des aktiven Arbeitslebens in D erwirtschafteten Nettolohns ein Haus abbezahlten, dafür mit weniger Rente „entlohnt“ werden? Rentenerhöhung nur für Rentner, die Mieter sind, die nicht Akademiker waren oder Beamte?

    Es lässt sich bestimmt über die Höhe ausgezahlter Renten trefflich diskutieren, aber ist das nicht müssig, weil diese Generation mit ihren Steuern ebenfalls einer vorhergehenden Rentnergeneration ihre Rente mitfinanziert hat?

    Es ist richtig, wenn Sie sagen, dass hier ganz eklatant etwas schief gelaufen ist, ich denke aber auch, dass man es sich viel zu einfach macht, mit dem ausgestreckten Finger auf die Rentner zu zeigen und Ihnen auch noch den Schwarzen Peter zu zu schieben, weil Sie „nichts getan“ haben. Ganz ehrlich, auch dieser Standpunkt ist polemisch.

    Es grüßt die Ev

    • nosupermom
      18. März 2009 um 15:57

      Hallo Ev,

      danke für deinen Beitrag!

      Ich schiebe nicht den Rentnern den Schwarzen Peter zu und ich zeige auch nicht mit dem Finger auf sie.

      Die jetzige Rentnergeneration hat eben nicht mit Steuerzuschüssen einer vorangegangenen Generation die Rente finanziert, weil aufgrund der demographischen Gesellschaftsstruktur damals (wie auch zu Zeiten Bismarcks) viel mehr Arbeitnehmer für einen Rentner gezahlt haben und auch die Dauer des Rentenbezugs deutlich kürzer war. Letzteres hat sich durch den medizinischen Fortschritt geändert. (Und nein, Heidi, ich plädiere nicht für ein sozialverträgliches Ableben, sondern stelle hier nur eine Tatsache fest!)

      Ich habe keine Patentlösung, aber ich mache mir meine Gedanken und ich bin bestürzt, wenn ich sehe, dass bestimmte Themen einfach nicht angesprochen werden dürfen, sondern sofort reflexartiges (verbales) Draufdreschen provozieren.

      Auch scheint mir in den Köpfen beim Wort „Rentner“ sofort ein Bild aufzuflammen von einer verhärmten Omma, die in mehrere Pullover aus dem Rot-Kreuz-Sack gehüllt in ihrer zugigen Plattenbauwohnung vor sich hin darbt und abgelaufenen Jogurt und harte Brotrinden mümmelt.

      Ja, es mag sie geben!

      Und wenn ich durch unsere Städte gehe, sehe ich auch die anderen. Die, die jeden Mittag beim Kaufhof im Restaurant sitzen (geh da mal hin mittags, da sitzen nur Ältere) und sich Schnitzel und Kuchen reinziehen. Sollen sie! Ich gönne es ihnen!

      Ich will damit nur sagen, dass in meinen Augen die Gleichung „Rentner = arm / bedürftig / Not leidend“ nicht so ohne Weiteres aufgeht. Oder wie erklärt man sich sonst den Kult der Werbung um die Senioren (das ruft schon wieder ein ganz anderes Bild hervor, oder?), Best-Ager und wie sie alle heißen?

      Ich habe keine Prozentzahlen, wie viele Rentner auf Unterstützung angewiesen sind. (Aber auch nicht, auf wie viel Arbeitnehmer dies zutrifft…)

      Ich wünsche mir einfach eine vorurteilsfreie Diskussion! Was wäre denn so schlimm, wenn z.B. ein abbezahltes Haus zu einer Rentenkürzung führen würde? Man könnte dies als EIgenvorsorge sehen. 18 % der Rentner haben Sparguthaben über 50.000 Euro. Kann man diese nicht anrechnen? Das hat nichts mit Enteignung zu tun! Aber viel mit Entlastung der Allgemeinheit. Der sogenannte Generationenvertrag darf doch keine Einbahnstraße sein.

      Ich wäre dafür, das komplette Rentensystem als Kapitaldeckung umzubauen oder ganz aus der staatlichen Hand rauszunehmen, so dass jeder für sich einzahlt und sein Geld wieder raus bekommt. Und dann einen Schnitt zu machen und zu sagen, jetz gibt es nur noch Rente aus Steuerzuschüssen und die werden sukzessive abgeschmolzen. Aus demographischen Gründen werden ja die Bezieher dieser Leistungen auch sukzessive weniger. (Nein, das ist nicht zynisch gemeint, aber das ist nun einmal so!)

      Ich denke hier auch an meine Kinder. Nach den derzeitigen Prognosen sollen dann, wenn die beiden im besten Erwerbsalter (Mitte 30) sind, auf zwei Beitragszahler ein Rentner kommen. Und dann sollen sie noch selber Kinder großziehen? Und Geld ansparen fürs Alter? Wer wird sich denn dann noch ein Häuschen leisten können?

      Ich habe, wie gesagt, kein Patent, aber die jetzige Situation macht mich nur noch nachdenklich.

      Ich setze auf Eigenvorsorge und versuche, meinen Kids die bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen, damit sie möglichst viele Optionen haben!

  5. Rufus Maier
    18. März 2009 um 16:20

    Guten Tag die Damen und Herren,

    ich bin doch sehr begeistert von den Vorstellungen einiger Personen unser Finanzsystem betreffend. Ich finde es prima, wenn es den älteren Menschen in unserer Gesellschaft gut geht und diese nicht wie oben bemängelt am Existenzminimum rumknapsen. Nun muss man aber den Sichtwinkel ein wenig anpassen und nicht nur auf diese Altersklasse schauen – Wieviele Menschen haben wir in unserer Gesellschaft die trotz einer normalen Arbeitstelle Sozialleistungen beziehen müssen? Wie hoch sind diese Sozialleistungen? Geht es der „arbeitenden Bevölkerung“ denn wirklich so gut? Warum kauft sich mein Nachbar im Ruhestand alle 3 Jahre einen neuen BMW?
    Mit welchem Recht wird hier behauptet jemand habe ja auch jahrelang in diese Kasse eingezahlt und solle nun auch von diesem „Verdienst“ profitieren?
    Ich zahle auch Monat um Monat ein und weiß jetzt schon, dass ich mir nicht mal einen Dacia Logan von diesem Geld kaufen kann wenn ich 75 bin (wer weiß ob ich dann schon im Rentenalter bin). Man setze mal die eingezahlten Mittel ins Verhältnis mit den derzeitigen Auszahlungen!
    Da wir ja alle so gern über den großen Teich schauen – Wie ist die Situation in Ländern wie Kanada? Dort ist der Kellner auch schon längst über das Rentenalter hinweg und muss trotzdem noch weiter arbeiten um sich entsprechend seinen Lebensabend zu finanzieren. Warum müssen wir unser sowieso schon stark belastetes System zusätzlich durch solche Wahlkampfaktionen schwächen und weiter die Einkommensschere auseinander drücken?

    Wurde dabei eigentlich schon einmal an die jüngere Generation gedacht? Man bedenke nun einmal einen männlichen Angestellten in höherer Position – der mittlerweile einen viel größeren Verantwortungsbereich hat als Lieschen Müller vor 20 Jahren / der mittlerweile viel höheren Erfolgsdruck bekommt / der ständig im Zugzwang steht weil eMail und Co. Die Kommunikation um ein vielfaches beschleunigt haben. Da wird dann monatlich ein großer Teil des VERDIENTEN Geldes abgezogen für Leistungen von denen er später einmal nichts mehr haben wird. Aber Lieschen Müller braucht sich dann ja keine Gedanken mehr zu machen!
    Das bestehende System war zum Zeitpunkt der Einführung sehr wohl tragend – bezogen auf das Arbeitnehmer / Rentnerverhältnis. Nun wagen wir doch mal einen Blick in die Zukunft verschiedene Quellen (u.a. http://www.dia-vorsorge.de/ps000022.htm) zeigen mittlerweile einen kompletten Zusammenbruch dieses Systems auf. Da wird sich unser Angestellter aber freuen wenn er ab 2030 seinen eigenen halben Rentner durchs Leben füttern darf. Dieser wird ja auch immer älter – hat dann das Kind dieses Angestellten etwa seinen eigenen vollständigen Rentner?

    Lange Rede kurzer Sinn -> Solche Wahlkampfaktionen schädigen nachhaltig unser System und demoralisieren die arbeitende Bevölkerung.

    Grüße aus dem Erzgebirge (wo es genug Menschen am unteren Rande der Gesellschaft gibt)
    Rufus

    • nosupermom
      19. März 2009 um 22:18

      Danke für deinen Beitrag!

      Es tut gut zu sehen, dass ich nicht total alleine stehe mit meiner Meinung!

  6. Ev
    18. März 2009 um 19:39

    Hallo No Supermom,

    Danke für Deine ausführliche Antwort.

    Wie gesagt, ich bin keine Fachfrau für Rentenfragen oder Wirtschaftswissenschaft, bevor ich hier etwas falsches sage, sage ich mal lieber gar nichts, ich halte es da mit „Erst glotzen, dann motzen“.

    Da Du Dir aber die Mühe gemacht hast, ausführlich zu antworten, ziehe ich mir 2 Deiner Sätze heraus:

    „Ich wünsche mir einfach eine vorurteilsfreie Diskussion!“

    Ja, das wäre schön, dieses Thema aber ist so diffizil, jeder hat damit seine eigenen Erfahrungen, dass ich denke, dass es sehr schwer sein dürfte, hier einfach mal so schriftlich hin und her zu texten, ohne dass dabei Emotionen hoch kommen, Vorurteile entgleisen, etc. Da hilft es nur auf allen Seiten so sachlich und respektvoll wie möglich zu argumentieren.

    „Was wäre denn so schlimm, wenn z.B. ein abbezahltes Haus zu einer Rentenkürzung führen würde? Man könnte dies als Eigenvorsorge sehen. 18 % der Rentner haben Sparguthaben über 50.000 Euro. Kann man diese nicht anrechnen? Das hat nichts mit Enteignung zu tun! Aber viel mit Entlastung der Allgemeinheit. Der sogenannte Generationenvertrag darf doch keine Einbahnstraße sein.“

    Was daran schlimm wäre? Schau mal, die Leute, die ihr Häuschen abbezahlen, die machen das mit dem gleichen Lohn, den ihre Kollegen auch bekommen. Nach 30 Jahren gehört ihnen dann ihr Häuschen, das viele als eine Art privater Rentenvorsorge sehen und die Kollegen drum herum, die vom gleichen Lohn jedes Jahr in den Urlaub gefahren sind, die sich immer wieder mal ein neues Auto gekauft oder ein anderes Hobby mit ihrem Lohn gepflegt haben, die sollen dann den vollen Rentenbeitrag bekommen, nur weil sie sich damit nichts Eigenes geschaffen haben? Ganz ehrlich, was denkst Du, was passiert, wenn so ein Gesetz durchkommen würde? Wer wäre dann noch so bekloppt, sich für die eigenen 4 Wände krumm zu legen, wenn Du dafür dann noch weniger Rente bekommst?

    Zum Thema Rente gibt es einfach nicht nur Schwarz und / oder Weiß. Sondern ungezählte Grautöne zwischendrin.

    Weißt Du, ich denke auch an meine Kinder, aber ich sehe halt auch, welche Nöte unsere Eltern haben, die nicht einfach nur stumpfe Mitläufer waren, sich durchaus ihre Gedanken gemacht und versucht haben, sich abzusichern und nun mit einer Realität klar kommen müssen, die sie sich so nicht vorgestellt haben. Ist das gerecht? Haben sie das verdient, weil sie es nicht besser wussten? Sind wir besser als sie? Nein. Nein. Nein.

    Mit Verlaub, Nein, denn wir wissen auch nicht, was sein wird, wenn wir Rentner sind. Und die Super-Duper-Eigenrentenabsicherung, die wir alle abschließen könnten, wo soll das Geld dafür denn herkommen? O. k., ich könnte meiner Familie an 5 Tagen in der Woche Reis mit Tomatensoße vorsetzen, dann könnte ich mich zusätzlich zu meinen Lohnabzügen für die Rente, der Betriebsrente und der privaten Absicherung noch zum vierten Mal so richtig absichern, wie es mir der nette Versicherungsberater gerade gestern noch in bester Absicht vermitteln wollte – gibst Du mir die Sicherheit dafür, dass diese Absicherung in 30 Jahren noch hält, was sie jetzt verspricht?

    „Ich wäre dafür, das komplette Rentensystem als Kapitaldeckung umzubauen oder ganz aus der staatlichen Hand rauszunehmen, so dass jeder für sich einzahlt und sein Geld wieder raus bekommt. Und dann einen Schnitt zu machen und zu sagen, jetz gibt es nur noch Rente aus Steuerzuschüssen und die werden sukzessive abgeschmolzen. Aus demographischen Gründen werden ja die Bezieher dieser Leistungen auch sukzessive weniger. (Nein, das ist nicht zynisch gemeint, aber das ist nun einmal so!)“

    Du scheinst Dich in dieses Thema eingearbeitet zu haben, es scheint Dich sehr zu beschäftigen und zu bewegen. Hast Du diese Fragen schon mal konkret an die Vertreter Deines Landkreises, usw. gestellt? An die Leute, die Du bei der letzten Wahl gewählt hast? Irgendwo hab ich mal gelesen, man kann Frau Merkel auch direkt bei konkreten Fragen anmailen und bestimmt nicht nur sie. Tu was, ich hoffe, Du lässt Deine Energie nicht nur hier in Deinem Blog verpuffen!

    Ist zwar keine nette Diskussion, aber es ist eine Diskussion.

    Freundliche Grüße, Ev

    • nosupermom
      18. März 2009 um 21:50

      Hallo Ev,

      ja, ich kann deine (Gegen-)Argumente auch nachvollziehen, aber irgendwo wird eine Lösung gefunden werden müssen, die dann im Moment für den Einen oder Anderen ungerecht erscheint, aber da das jetzige System auch ungerecht ist, wenn man nachfolgende Generationen berücksichtigt, dann wird man nicht umhinkommen. Wie heißt es so schön? „Einen Tod muss man sterben!“

      Ich bin durchaus politisch engagiert, aber wie ich oben schon mal irgendwo geschrieben habe: Das ist ein Thema, an das keiner auch nur mit der Kneifzange ran will, denn irgendwo sind immer Wahlen und einen Politiker, der unbequeme Fakten nennt, wählt niemand. Das ist leider so!

      Wie gesagt, ich habe keine Lösung, nur Fragen!

      Aber ich danke dir noch einmal für deine sachlichen Beiträge, auch wenn du meine Meinung nicht teilen kannst! Ich finde diesen Austausch sehr angenehm! Man kann sich ja durchaus auch einig sein, dass man nicht einig ist!

  7. Nanika
    18. März 2009 um 22:38

    Hallo,

    erstmal ist das Thema eines, das selbstverständlich die Geister scheidet. Und es ist eins, das nicht vorurteilsfrei diskutiert werden kann, weil wir alle irgendwie beteiligt sind.

    Dies vorausgesetzt, fallen mir ein paar Dinge ein, die zu bedenken sich vielleicht lohnt:

    1. Die Altersentwicklung (hier finde ich Heidis, wenn auch polemischen, Beitrag gar nicht so falsch): Wir betreiben natürlich bestmögliche Eigenvorsorge, haben aber KEINE Ahnung, wie lange die reicht. Und wenn wir dann in der Situation sind, dass unsere – jetzt wohldurchdacht zur Seite gelegte – Eigenvorsorge aufgebraucht ist und wir in das staatliche Netz rutschen, möchte ich uns mal erleben, wie wir dann die Zustände beschreiben. Oder auch nur, wie wir uns fühlen, wenn jemand dann von „da gibts nicht nur die ganz Armen, sondern auch die, die noch Kohle haben“ schreibt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich genau dann an Ihre heutige Haltung erinnern – und das meine ich nicht böse, sondern ermutige zur Konsequenz.

    2. Die Krise und die Wahl: Wenn wir ein derart liberales System haben, wie Sie es propagieren, müssen wir auch akzeptieren, dass eine der größten Wählergruppen besonders angesprochen wird. Abgesehen von der wahrlich nicht hübschen Situation, nach vielen Jahren Arbeit zuzugucken, wie die Kohle immer weniger wert wird, finde ich es auch unter diesem Gesichtspunkt mehr als fair, mal diese Altersgruppe zu hofieren – ist echt nicht selbstverständlich, I tell you.

    3. Um wen geht es? Die Generation, die überwiegend heute Rente bezieht, ist die Kriegs- und unmittelbare Nachkriegsgeneration. Die haben mit 20 Mark angefangen und die Trümmer wieder zusammengebaut zu dem, wo wir heute sitzen und uns über deren Rentenerhöhung unfroh zeigen. Hätte ich die Wahl, ich würds ihnen hinten und vorn reinschieben. Denn in einer Zeit, als ich mich sorglos in Discos rumgetrieben habe, wussten sie oft nicht, wo die nächste Mahlzeit herkommen sollte. Da mutet der „Arbeitsdruck“, den Rufus ins Feld führt, zynisch an. E-mails erschweren natürlich das Leben viel mehr als unmittelbare Lebensbedrohung. Oder – das sei unbenommen – auf komplett andere Weise. Diese traumatisierte Jugendgeneration musste auf brutalst mögliche Weise erwachsen werden zu einer Zeit, wo wir mit sturem Blick auf uns selbst durchs Leben geflogen sind. Ich wünsche ihnen ein schönes Restleben. Wie ich mir wünsche, dass die nachfolgende Generation mir ein schönes Restleben wünscht, wenn ich soweit bin. Und wie ich mir wünsche, dass mir die nachfolgende Generation grundsätzlich abnimmt, dass ich das Menschenmögliche getan habe, anderen Leuten nicht auf der Tasche zu liegen. Hätte ich die Wahl, ich würde Ihnen gerne eine Woche die Situation dieser Generation direkt nach dem Krieg wünschen, um wieder das Verhältnis und die Balance zu kriegen.

    4. Wenn wir den Liberalismus ernst nehmen, gilt entweder ganz oder gar nicht: Dann müssen wir akzeptieren, dass wir halt nichts zu futtern haben, wenn uns die Kohle ausgeht. Pegge, hätten wir uns früher drum gekümmert, selbst schuld. Und auch dann noch selbst schuld, wenn wir die Entwicklung nicht haben absehen können, wenn wir Kinder unserer Zeit waren und das gesehen haben, was uns vermittelt wurde (wir erinnern uns an die recht übersichtliche Medienlandschaft und das völlige Fehlen von Internetlinks und interessanten Referenzwebseiten). Und auch hier mein Wunsch: Mögen Sie in Ihrem Rentenalter an dem gemessen werden, was Sie hätten erahnen sollen, ohne den geringsten Hinweis auf die Situation zu haben.

    5. Die Weltwirtschaftskrise und was wir daraus gelernt haben: Ich hab vom Geschichtsunterricht wahrlich nicht viel behalten, aber das mit der Deflationspolitik ist mir noch gut im Gedächtnis: Antizyklisch handeln, investieren statt sparen, auch wenn das völlig paradox ist in einer solchen Situation. Damit hat Roosevelt es geschafft, Perspektiven zu schaffen. Im Prinzip ist das, was jetzt passiert, nicht viel anders, es geht darum, Kaufkraft zu generieren, ob mit der Abwrackprämie oder mit solchen Mitteln. Klar wüssten wir alle, wies besser ginge, aber das ist mehr so Sofademokratie. Wären wir in der Situation zu entscheiden, wir würden ob der ganzen komplexen Anforderungen kein bisschen sinnvoller handeln.

    Nur zur Einordnung: Ich bin 47 Jahre alt und habe einen 88jährigen Vater, der sich selbst seine Altersvorsorge geschaffen hat und sehr bemüht ist, möglichst viel davon an uns weiterzuvererben. Mir wärs lieber, er würde die Kohle auf den Kopf hauen, denn ich finde, das hat er verdient. Er ist mit 17 Jahren eingezogen worden, mit 28 ist er aus dem Krieg gekommen, Schädel-Hirn-Trauma, drei Wirbelbrüche und eine Tuberkulose im Gepäck. Er hatte nichts, mit 28 hat er eine Ausbildung angefangen, seine erste Berufserfahrung verdiente er mit Kost und Logis, nicht etwa mit Geld. Er und meine Mutter haben in all dem Durcheinander vier Kinder gekriegt, sie aus eigener Kraft über die Runden gebracht und ihnen allen die beste Ausbildung angedeihen lassen, die möglich war. Als ich 28 war, hatte ich ein wunderbares Leben, schöne Reisen, eine interessante Ausbildung und jede Menge Fähigkeiten und Möglichkeiten im Gepäck und grade zwischen 17 und 28 war ich wundervoll sorglos. Mein Vater hat in diesem Alter Freunde begraben. Aber jetzt soll er doch bitteschön darauf achten, dass er kein zu großes Auto fährt und seinen Besitz ins Generationenrennen wirft, um uns nicht zu sehr auf der Tasche zu liegen. Weil Sie sich verarscht fühlen.

    Ja, das Thema polarisiert. Und es stellt an uns Elterngeneration den Anspruch, genau nicht unseren eigenen Zukunftsängsten derart die Zügel schießen zu lassen, dass wir unserer Elterngeneration gegenüber das Maß verlieren und ihnen das Recht auf Besitz und ihrer Lebensleistung entsprechende Altersbezüge absprechen. Hier gehts nicht mehr um Volkswirtschaft, das ist eine Wertefrage.

    Sorry, dass das so lang geworden ist, mir sind wohl auch grade die Pferde durchgegangen.

    Es grüßt
    Nanika

    • nosupermom
      19. März 2009 um 11:15

      Hallo Nanika,

      danke für deinen Beitrag!

      Vielleicht ist nicht ganz richtig rüber gekommen, was ich mit „vorurteilsfrei“ gemeint habe. Ich meine damit, dass man versuchen sollte, das Große und Ganze im Blick zu haben und nicht nur auf sich selbst und seinen kleinen Familien-Dunstkreis zu gucken, nach dem Motto: „ja, aber wenn a passiert, dann müsste ja die Oma… und wenn b passiert, dann hätte ich ja… und wenn c passiert, dann wäre ja…“, „Und mein Opa hat aber…“, „Ja, aber dann habe ich ja…“

      Davon müssen wir weg! Wir leben nämlich eben nicht mehr nur im Kreis der Großfamilie Vor-Bismarckscher Zeiten, die sich um sich und die ihren selbst kümmert, sondern in einer großen Solidargemeinschaft! Und Solidarität ist keine Einbahnstraße!

      Ich habe auch eine Mutter im Rentenalter, die nicht mit einer außergewöhnlich hohen Rente gesegnet ist. Ich finde es aber gefährlich, wenn wir uns Denkverbote auferlegen, weil unsere Nächsten und Liebsten dann irgendwo irgendwie von den Konsequenzen betroffen wären. Das hat für mich ein bisschen was von „Nach mir die Sintflut!“

      Ja, diese Generation hat das Land wieder aufgebaut! Aber doch nicht aus purem Altruismus für nachfolgende Generationen oder um Heldentaten zu vollbringen! Sondern, weil es eben die Arbeit war, die getan werden musste.

      So, wie jede Generation zu ihrer Zeit die Arbeit tut, die gerade getan werden muss. Es ist mir nicht klar, warum deren Lebensleistung daher höher zu bewerten ist, als die unserer oder nachfolgender (oder auch vorangegangener) Generationen.

      Ich denke, wir alle müssen zu jeder Zeit im Leben mit den Rahmenbedingungen klarkommen. Und wenn sich die Rahmenbedingungen (z.B. Stichwort demografische Entwicklung) ändern, dann müssen alle ihren Teil dazu beitragen, das Schiff wieder ins Lot zu bringen. Das Leben ist kein Mensch-ärger-dich-nicht-Spiel, bei dem man sich in den sicheren Hafen (hier: Ruhestand) rettet und einen dann alles nichts mehr angeht!

      Es gibt auch kein Menschenrecht, sein Geld zurückzulegen, um es dann zu vererben. Wenn jemand was zum Vererben hat: Prima für die Nachkommen! Wenn nicht, dann nicht!

      Anzizyklisches Handeln ist absolut erforderlich und wird leider von unseren Politikern viel zu wenig beherzigt.

      Aber ob da jetzt die Rentenerhöhung so dazuzählt, wage ich mal zu bezweifeln. Die, die sehr wenig haben, haben ja auch nur eine sehr geringe Erhöhung, so dass auch in der Summe keine großen Impulse von ihnen ausgehen. Und die anderen, die das Geld für die Erben zurücklegen, tragen gar nichts zusätzlich zur Wirtschaftserholung bei. Zusätzliches Sparen in einem Abschwung verschärft diesen nur noch.

  8. Ev
    19. März 2009 um 08:50

    Liebe Nanika,

    Du hast dieses Thema in einem persönlichen Maße auf den Punkt gebracht, wie ich es nie hätte in Worten fassen können. Danke dafür.

    Egal, wer sich jetzt hier in welcher Art und Weise geäußert hat – wenn ein Blog-Beitrag in Bezug auf ein solch brisantes Thema veröffentlicht wird, dann werden immer Reaktionen kommen, die dem Schreiber nicht behagen werden; Heidi hat sehr direkt geantwortet. Nicht mehr nicht weniger.

    Ich ziehe mich hier aus der Diskussion zurück und wünsche Allen einen schönen Tag,

    die Ev

    • nosupermom
      19. März 2009 um 10:42

      Da muss ich noch einmal kurz was sagen: Ich habe keine Probleme mit anderen Meinungen und bin mir dessen bewusst, dass ein solcher Beitrag Diskussionen provoziert. Da diese hier – bis auf Heidis Beitrag – sachlich und neutral abliefen, finde ich das sogar gut!

      Dass Heidi meint, sie müsse mich völlig plump persönlich von der Seite anmachen, ohne etwas zur Diskussion beizutragen, sagt mehr über sie als über mich! Insofern…

  9. 19. März 2009 um 16:22

    Wenn das Große und Ganze anschauen, dann das Gesamte. Wenn wir fordern, dass alle zur Sicherung der nächsten Generation beitragen, setzen wir doch bitte mal die Rentenentwicklung zur Gehaltsentwicklung der letzten Jahre in Bezug. Dann fällt uns schnell auf, dass die älteren Leute deutlich mehr als wir selbst Solidarbeiträge leisten. Denn auch der Riesterfaktor ist letztlich ein politisches Instrument mit dem Zweck, die Renten im Zaum zu halten, also von den Alten überproportionale Solidarität zu verlangen.

    Mit dem Bezug zu meinem Vater wollte ich diesen nicht zum „bedauernswerten Menschen“ machen; das ist er wahrlich nicht. Der Bezug zeigt nur, dass die rein volkswirtschaftliche Betrachtung zu kurz greift. Klar hat die Generation das Land aufgebaut, um selbst etwas davon zu haben (Altruismus ist nur dann effizient, wenn gesunder Egoismus mitspielt, denn nur dann strengt man sich dauerhaft an). Aber die haben schon eine beschissene Zeit hinter sich und wir sitzen auf unseren wohlgenährten Hintern und sagen, nö, jetzt sollen sie bitte zugunsten der nachfolgenden Generationen auch noch verzichten. Diese Schieflage kriege ich am Besten in einem Beispiel auf den Punkt.

    Und schließlich: nehmen wir Ihre Argumentation ernst und denken sie zu Ende, ist die Rentenerhöhung echter Pillefatz. Lassen Sie uns die soziale Marktwirtschaft insgesamt infrage stellen, gehen wir den ganzen Schritt: „Gleiches Recht für alle“, „gleiche Bezahlung für alle“ und letztlich sollten wir unabhängig von Arbeits- und Lebenssituation allen Menschen dieselbe Grundversorgung ermöglichen – ein durchaus mitunter propagiertes Vorgehen. Sparen wir uns doch das Geschiss um Steuern, Gehälter, Verdienste und Renten und bringen schlicht alle gleichermaßen über die Runden. Wenn schon Solidargemeinschaft, denn schon richtig. Dann nämlich – das ist ein Thema, das mir zumindest als ketzerische Utopie echten Spaß macht – verliert die Kohle als Bezugspunkt für den Wert eines Menschen endlich ihre Bedeutung.

    Funktioniert zwar nicht, weil die Menschen so nicht gestrickt sind, ist aber ein interessanter Gedanke. Denn dann können wir „Zwischengeneration“ aufhören, uns um die Zukunft der Jungen Sorgen zu machen – die oft gar nicht wollen, dass wir uns um sie Sorgen machen, weil sie selbst eher davon ausgehen, dass sie das schon hinkriegen. Und wir können die Alten in Ruhe das genießen lassen, was ihnen vom Leben noch bleibt. Wie fühlt sich das für Sie an? Ist das nicht viel umfassender groß und ganz?

    Es grüßt erneut
    Nanika

    • nosupermom
      19. März 2009 um 17:00

      Es tut mir sehr leid, aber diesen Beitrag vermag ich nicht mehr ganz ernst nehmen.

      Ihre Utopie hat nicht mehr mit Solidargemeinschaft zu tun, sondern nennt sich „Kommunismus“ oder auch „Sozialismus“ und hat schon einmal nicht funktioniert! Weil nämlich hier der Leistungsgedanke ad absurdum geführt wurde. Warum sich anstrengen, wenn man auch ohne Einsatz alles bekommt, was man braucht?

      Das scheitert dann daran, dass irgendwann keiner mehr etwas tut und somit auch nichts mehr erwirtschaftet wird. „Marx ist die Theorie, Murks ist die Praxis!“

      Und manchmal befürchte ich, dass wir auf dem Weg dorthin sind. Aber das ist ein anderes Thema und hat hiermit nichts mehr zu tun.

      Der Riesterfaktor ist kein Instrument, um willkürlich die Renten im Zaum zu halten, sondern trägt dem demografischen Faktor Rechnung. Die Rentenentwicklung orientiert sich an den Bruttolöhnen; das ist der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor.

      Ich bleibe dabei, dass ich die Aussetzung des Riesterfaktors für falsch halte. Sie wurde von der Regierung beschlossen, um die Rentner am Aufschwung partizipieren zu lassen. Da im Aufschwung ja die Löhne steigen, wäre dies aber ohnehin sichergestellt gewesen. Eine darüber hinaus gehende Beteiligung muss nicht wirklich sein, da diese denen bleiben sollte, die den Aufschwung auch erwirtschaften (also der produktiven Bevölkerung). Und es erschließt sich mir nicht, warum an der Aussetzung des Riesterfaktors im Abschwung festgehalten werden muss.

      Ich weiß, dass diese Ansichten für viele starker Tobak sind, aber wir leben ja Gottseidank immer noch in einem Land, in dem man seine Meinung sagen darf!

  10. 19. März 2009 um 17:20

    Das mit dem nicht mehr ganz ernst Nehmen ist ganz schön richtig, es war auch nicht ernst gemeint. Wobei das System nicht etwa von Kommunisten propagiert wird, sondern von Vertretern fast jeder Couleur und Richtung (okay, von den etwas Schrägen fast jeder Couleur und Richtung). Im übrigen hatte kein Land dieser Erde bisher echten Kommunismus, die haben nur immer Staatskapitalismus als Kommunismus bezeichnet. Wir wissen also nicht, ob das System funktioniert (und das sage ich neutral, weil ich die Durchsetzbarkeit der reinen Lehre anzweifle), denn der einzige ernsthafte Versuch damit in Chile endete ausgesprochen rasch mit einem Militärputsch.

    Ich hab nicht gesagt, dass der Riesterfaktor „willkürlich“ irgendwas im Zaum halten soll, das war schon ganz schön durchdacht. Alleine die Tatsache, dass die Rentner dafür einen Abschlag kriegen, dass sie so viele sind, sollte Ihnen sagen, dass sie durchaus ihren Beitrag zur demographischen Entwicklung leisten. Wenn der Riesterfaktor einmal in fünf Jahren (oder seit wann gibt es ihn?) ausgesetzt wird, ist das allerdings meines Erachtens noch kein Grund, sich auf die Schippe genommen zu fühlen. Aber ich bin ja auch nicht Sie 😉

    Sich freundlich verabschiedend grüßt
    Nanika

    • nosupermom
      19. März 2009 um 19:37

      Eingeführt wurde der Riesterfaktor 2004, erstmals ausgesetzt wurde er 2008. Das riecht für mich nach Aktionismus und Wählerbeglückung.

      Politiker, die derart kurzfristig planen, Gesetze verabschieden und wieder über den Haufen werfen, sind nicht wirklich Vorbilder für unsere Gesellschaft.

  11. 19. März 2009 um 17:22

    P.S. Ähm, hab grade festgestellt, ich hab bei meinem Link ein „s“ vergessen *grummel Nicht, dass ich mich verstecken will, gell …

  12. 20. März 2009 um 00:19

    Liebe Frau Supermom.
    ich hätte schon noch genug Argumente, um nicht einfach nur Ihrer Meinung nach polemisch daher zu kommen. Meine Meinung ist einfach, aber ehrlich gemeint.
    Mit so einer verbohrten Sozialneiderin, wie Sie es sind, macht eine konstruktive Diskussion überhaupt keinen Sinn.

    Und bitte, gönnen Sie den überwiegend älteren Menschen im Kaufhof ihr Schnitzel. Ich bin immer noch 100% überzeugt davon, dass die meisten RentnerInnen sich kein Ananastörtchen im Maldaner in Wiesbaden leisten können.

    Heidi

    • nosupermom
      20. März 2009 um 11:28

      Wie man unschwer erkennen kann, haben wir hier ja eine Diskussion!

      Wenn du dich daran nicht beteiligen magst, ist das okay! Aber diese „Totschläger“argumente wie „dann praktiziere mal sozialverträgliches Ableben“ oder „Diskussion ist sinnlos“, ohne irgendein Argument vorgetragen zu haben, finde ich niveaulos.

      Oder bedeutet Meinungsaustausch für dich, dass ich mit meiner Meinung hinkomme und mit deiner Meinung wieder gehe?

      Aber warum wundere ich mich? Dieselben Allüren („Warum sachlich argumentieren, wenn es auch persönlich geht?“) kenne ich von Vertretern deiner Partei auch aus unserem Stadtparlament.

      Und des Weiteren bin ich der Meinung, dass sich nicht jeder (ob Rentner oder nicht) ein Ananastörtchen im Maldaner in Wiesbaden (was immer das für ein Laden sein mag) leisten können muss.

  13. Rufus Maier
    20. März 2009 um 11:47

    Liebe Heidi K.,

    nun muss ich doch ernsthaft einmal hinterfragen wie Sie das Wort „Sozialneid“ definieren? Sollte ich etwa ernsthaft neidisch sein, weil die liebe Oma von nebenan alle drei Jahre ein neues Auto bekommt? Sollte ich neidisch sein weil ICH es ihr bezahle? Sollte ich neidisch sein weil sie im Leben das Geld nicht in der Höhe eingezahlt hat? Sollte ich etwa neidisch sein weil ich das ganze niemals haben werde? – NEIN das ist kein Neid sondern UNGERECHT!

    Warum sollten einige Leute nun einen Status BEZAHLT bekommen und die Leute die dafür zahlen in ihrem Status Abstriche machen?
    Wie man bei uns so schön sagt ist „Neid die höchste Form der Anerkennung“. Bitte was soll ich am „handauf halten“ anerkennen?
    Mach doch bitte einmal die Augen auf, geh mal vor die Tür und schaue wieviele Leute arbeiten und dennoch kaum ihren Lebensunterhalt finanzieren können. Geht eine Mutter von zwei Kindern etwa täglich 8 – 10 Stunden arbeiten weil es ihr so viel Spaß macht und die Kinder zuhause sowieso nur nerven? Nein sie braucht das Geld. Nun hat die Frau auch noch Angst um ihre berufliche Zukunft, möglicherweise sogar Kurzarbeit -> also jeden Monat weniger im Portemonnaie . Jetzt erklären Sie doch bitte dieser Frau einmal warum sie nun wortlos hinnehmen soll, dass eine andere Gruppe unserer Bevölkerung mehr Geld bekommt. Nichts gegen einen Inflationsausgleich aber nicht in der jetzigen Situation. Also wer hat nun das Schnitzel im Kaufhaus nötiger? Richtig keiner von beiden aber beide müssen sehen wie sie sich versorgen und das fällt der oben genannten Mutter im schwieriger.
    Da braucht man sich nicht zu wundern über das vermehrte Aufkommen so genannter Sozialschmarotzer, die unser System immer mehr belasten. Nein Leute die Renten beziehen sind keine Schmarotzer, aber es braucht sich auch keiner zu wundern wenn eine Einstellung ala „Warum soll ich arbeiten, wenn ich zuhause bleibe bekomme ich auch mein Geld“ aufkommt.

    Also ich persönlich lebe lieber in einem System in dem jeder arbeitet und dafür auch einen angemessenen Lohn bekommt und damit für sein Alter vorsorgen kann, als in einem System indem man arbeiten geht um mit einem nicht zu verachtenden Teil seines Lohnes die nicht arbeitende Bevölkerung zu tragen (Seien es nun Renter oder „Arbeitssuchende“).

    Grüße
    Rufus

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