Startseite > NÄHbenbei bemerkt > Pro Reli? Pro Ethik? Oder was?

Pro Reli? Pro Ethik? Oder was?


Am Sonntag findet ja in Berlin ein Volksentscheid darüber statt, ob Religion ein Wahlpflichtfach werden soll oder nicht! Dann müssten die SchülerInnen zwischen Religion und Ethik wählen. Bislang gibt es nur Ethik und Religion kann freiwillig belegt werden.

Die Wogen schlagen hoch und jede Seite wirft der anderen Intoleranz, Inkompetenz, Ignoranz und was weiß ich nicht noch alles vor.

Selber einmal in Berlin beschult, stellt sich mir sowieso die Frage: Warum muss an den Schulen konfessioneller Religionsunterricht erteilt werden? Wir haben eine Trennung von Kirche und Staat, also warum?

Ja, unsere Kultur ist christlich geprägt und Grundkenntnisse der Bibel gehören zur Allgemeinbildung. Und jeder, der hier lebt, sollte wissen, warum wir welche Feste feiern. Allerdings denke ich, dass dem Bildungsauftrag und vielleicht auch dem Verständnis anderen Kulturen gegenüber besser gedient wäre, wenn auch Grundkenntnisse des Judentums, des Islam, des Hinduismus und noch verschiedener anderen Ismen sowie von Naturreligionen und auch antiken Gottesvorstellungen vermittelt würden. In einem Fach, dass meinetwegen „Religionslehre“, „Ethik“ oder wie auch immer heißen könnte.

Wer möchte, dass sein oder ihr Kind tiefer in den eigenen Glauben abtaucht, der sollte das eben privat in die Hand nehmen.

Da sehe ich dann mal Parallelen zur Tischkultur: Den meisten reicht es, wenn die Kinder halbwegs manierlich mit Messer und Gabel essen und das wird ja auch immer wieder in den Kindergärten oder auch Grundschulen durch gemeinsame Frühstücksaktionen etc. eingeübt. Und wer Wert auf virtuosen Umgang mit Austernzange und Essstäbchen legt, der wird die Ausbildung des Nachwuchses wohl selber in die Hand nehmen.

Insofern wäre für mich die sinnvollste Sache, wenn der Religionsunterricht an den Schulen flächendeckend abgeschafft würde!

Advertisements
Kategorien:NÄHbenbei bemerkt Schlagwörter: ,
  1. Frau Argh
    24. April 2009 um 15:59

    ich kann mich daran erinnern, dass wir religionsuntericht machen mussten – wir konnten nur extra beantragen bzw. die elter konnten veranlassen, dass man statt dessen (oder wenn man eben nicht christilich getauft war) „werte und normen“ machen musste. in meiner klasse war allerdings mal eine türkin mich hoch-muslimischen eltern. die haben durchgedrückt, dass sie keinen unterricht in der richtung hatte und auch am sportunterricht nicht teilnehmen durfte (weil wegen männer und frauen gemischt…)

  2. 24. April 2009 um 17:04

    ihr hessen habt probleme… 🙂

    in bayern geht man in evangelische oder katholische religion oder in ethik. ende.
    üblicherweise gehen kath. getaufte in kath. religion, ev. getaufte in ev. religion und anders/nicht getaufte oder einer anderen gemeinschaft angehörige in ethik.

    tatsächlich aber ist das ganze durchlässig, nur in irgendwas muss man gehen.
    meine ungetauften kinder gehen in ev. religion, andere getaufte kinder gehen in ethik etc.

    meinem großen habe ich beim schulwechsel freigestellt, dann in ethik zu gehen – was er ablehnte.

    grundsätzlich halte ich konfessionellen religionsunterricht in der schule für durchaus verzichtbar, ich fände allerdings ein allgemeineres fach, das sich mit religionen und kulturen der welt und dazugehörigen lehren beschäftigt, nicht unsinnig.

    • nosupermom
      24. April 2009 um 17:17

      Das ist genau das, was ich meine! Und da könnte man auch Dinge besprechen, die eher in die Rubrik „Dubiose Heilslehren“ fallen, so wie Scientology und solche Sachen.

      Hier ist es so, dass die konfessionslosen Kinder theoretisch in Ethik gehen müssten, dies aber praktisch nicht tun, wenn mangels Lehrer das Fach nicht angeboten wird (was häufiger vorkommt).

      Ich bin protestantisch getauft und mein Mann katholisch. Beide sind wir nicht in der Kirche und die Kinder sind ungetauft – und gehen in den ev. Religionsunterricht. Aber brauchen tut man das an der Schule nicht, finde ich.

      BTW, ungetaufte Kinder und dann noch ev. Religionsunterricht; hast du keine Angst, dass du aus Bayern abgeschoben wirst? :mrgreen:

  3. 24. April 2009 um 22:42

    Ganz meine Meinung. Vor allem, weil ich mich mit Grauen an meinen Religionsunterricht (protestantisch) erinnere, wo einige höchst unethische Dinge unterrichtet wurden.

    viele Grüße
    Jinx

  4. 25. April 2009 um 11:12

    In der Grundschule hatten wir einen Zeugen Jehovas in der Klasse, der auch weder am Religionsunterricht, noch beim Schwimmen teigenommen hat. Beim Sport aber doch meistens…

    Auf dem Gymnasium konnten die Eltern ihr Kind ebenfalls von Relifreistellen, und ab 14 konnte man sich selbst abmelden (dazu brauchte es nur eine Unterschrift, dass die Eltern das zur Kenntnis genommen haben).
    Da konnte man dann auch einfach nach Hause gehen bzw musste in eine andere Klasse und da am Unterricht teilnehmen (was bei 2 Stunden in der Woche natürlich niemand gemacht hat, die Zeit wurde nur abgesessen).

    Irgendwann musste man dann statt Reli Philosophie belegen. Ich hatte beides… Horizont erweitern und so 😉

    Wir hatten auch alle paar Wochen Donnerstags in der ersten Stunde Schulgottesdienst.
    In der Grundschule damals sogar alle 2 Wochen, wenn ich mich recht erinnere… Aber die hieß ja sogar „Kirch-Schule“…

    Aber wie heißt es so schön? Schwarz, schwärzer, Paderborn… Der ganze Kreis ist so katholisch, dass es keinen (!!) Arzt gibt, der z.B. eine Abtreibung vornimmt. Nicht mal in der Frauenklinik.

    Allerdings, wir haben tatsächlich auch andere Religionen durchgenommen. Islam, Judentum, Buddhismus, Hinduismus… Selbst konservative Lehrer lassen da mit sich reden sind sind flexibel…
    Also, mir hat der Reliunterricht wirklich viel gebracht und immer Spaß gemacht, einfach halt unter dem Aspekt des Lernens betrachtet.
    In der 10 Klasse habe ich sogar für 2,5 Wochen den Unterricht „übernommen“ und versucht, dem Kurs „neutral“ was über Satanismus zu erzählen, um Vorurteile gegenüber in Schwarz gekleideten Menschen abzubauen…

    Ich denke da hängt einfach viel vom Lehrer und von den Schülern in dem Kurs ab.

  5. gleisverkehr
    27. April 2009 um 13:53

    Ich hab meine Kiddies selber entscheiden lassen. Es gibt doch immer wieder Kinder (oder sind’s vielleicht doch mehr Eltern?), die den Religionsunterricht doch haben wollen und so wäre es mir lieber, man bietet die Wahl zwischen Reli und Ethik an, wobei ich wünschte, es hätte, als es bei mir relevant war, zweiteres schon gegeben.

    Gruß von der Ev

  6. 4. Mai 2009 um 10:23

    ich finde, dass schule und kirche komplett getrennt sein sollten. wenn eltern ihr kind religiös erziehen wollen, dann braucht es dazu keinen reli-unterricht in dem man bilder ausmalt oder im beichtstuhl rumklebt.

    ich selbst bin super christlich erzogen worden und wir waren im reli-unterricht mindestens 3 mal im jahr beichten. dazu mussten wir jeder mind. 5 sünden auf einen zettel schreiben und dann der lehrerin vorlegen bevor wir in den beichtstuhl durften. und das war pflicht! ich finde sowas gehört ganz einfach verboten.

  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: