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Gaucho-gate


Meine Fresse! Was für eine bescheuerte Aufregung!

Die deutsche Herren-Fußball-Nationalmannschaft (man muss ja ganz politisch korrekt sein, wenn man nicht durch den Fleischwolf der linken Meinungsmacher im Netz gedreht werden will…) ist am Sonntag im Endspiel gegen Argentinien Weltmeister geworden.

Auf keinen Fall darf man jetzt sagen „Wir sind Weltmeister!“, denn Totum-pro-parte ist nur den oben erwähnten Vordenkern erlaubt. Da nützt es auch nichts, dass Manuel Neuer im Interview gesagt hat „Ganz Deutschland ist Weltmeister!“, denn er ist ja nicht der Bestimmer! (Wahrscheinlich wäre auch ein sprachlicher Missgriff wie Weltmeistx (oder so) nicht wirklich politisch korrekt.)

Es wurde ja auch schon Anstoß genommen am Schwenken der Fahnen und Schmücken der Autos mit den deutschen Farben. Schließlich kann man ja davon ausgehen, dass jeder, der sich so ein Schwarz-rot-gold-Kondom über den Außenspiegel seines Autos zieht, nächste Woche mit Stahlhelm und Knüppel marodierend durch die Innenstädte zieht und Dönerbuden, Pizzerien sowie Eine-Welt-Läden demoliert.

Und dann der Eklat, der aller Welt die hässliche und gefährliche Fratze des deutschen Michels (der seinen Stahlhelm perfide unter der Schlafmütze tarnt) zeigt: 6 Spielx (wer weiß schon, wie die sich gendermäßig definieren) kommen gebückt auf die Bühne an der Fanmeile in Berlin und singen „So geh’n die Gauchos, die Gauchos, die geh’n so…“, danach richten sie sich auf und singen mit stolzgeschwellter Brust „So geh’n die Deutschen, die Deutschen, die geh’n so…“. Ein Lied, dass es in diversen Abwandlungen schon bei vielen Fußballspielen gegeben hat, das jetzt aber von deutscher Überheblichkeit, Nationalismus und blankem Rassismus, ja sogar dem Geist des Nationalsozialismus‘, zeugt.

Äh, ja…

Mit Sicherheit ist das Lied nicht das lustigste oder geistreichste, aber es war ja auch kein Poetry Slam oder eine Marcel-Reich-Ranicki-Gedenkveranstaltung, sondern die Siegesfeier der gerade aus Brasilien gelandeten deutschen Nationalmannschaft. Leute, lasst doch mal die Kirche im Dorf! Kann man anders machen, aber ich glaube wirklich, dass unsere Mannschaft, die sich während des ganzen Turniers ausgesprochen fair gezeigt hat (habt ihr die ganzen Bilder gehen von Schweinsteiger, der nach jedem Spiel die Spieler der unterlegenen Mannschaft getröstet hat?), hier jetzt nicht „geschlachtet“ werden muss, weil sie einen doofen Song intoniert hat! Ist das alles, was von der WM2014 bleibt?

Wenn Deutschland (na gut, nicht ganz Deutschland, nur die bereits erwähnte Fußballmannschaft) im Finale auf die USA getroffen wäre und diese (also nicht die komplette USA, sondern nur deren Fußball-Nationalmannschaft) besiegt hätte und dann bei der Siegesfeier „So geh’n die Cowboys, die Cowboys, die geh’n so…), hätte sich niemand aufgeregt (die einen nicht, die sich auch jetzt nicht aufregen, weil es einfach nur ein platter Scherz wäre und die anderen, die jetzt den Stock nicht aus dem Arsch kriegen, nicht, weil es im Zweifel wenigstens als politisch-korrekt antiamerikanisch durchgehen könnte).

Macht euch alle mal ein bisschen locker!

Ich versteige mich jetzt mal zu der Behauptung, dass die Rassismus-Schreier auf allen Kanälen selbst ein gewaltiges Rassismusproblem haben: Sie sehen anscheinend beispielsweise die Argentinier als den Deutschen unterlegen an und daher gehört es sich nicht, da noch draufzuhauen, denn „Man schlägt keine Schwächeren!“. Bei den USA in meinem obigen Beispiel wäre es eine „David-gegen-Goliath“-Situation, da sie uns Deutsche als den USA unterlegen sehen. Da dürfte man dann schon mal auf die Kacke hauen!

Was das Schlimmste ist? Dass uns die Kommentatoren beim Freundschaftsspiel  gegen Argentinien (03.09.2014) dieses unsägliche Gaucho-gate noch einmal aufs Brot schmieren werden. Ich kann Béla Réthy schon hören… Und die Blöd-Zeitung auch.

  1. 16. Juli 2014 um 21:41

    Ich danke für diesen Artikel.😀 Einer der besten Kommentare zu diesem Thema, die ich in den letzten Tagen gelesen habe. ^^

    Ich bin ja langsam immer schon völlig unsicher, was mein Moralpendel angeht. Da denkt man sich bei irgendwas nix und nächsten Tag sind die Zeitungen voll von übelster Schelte und man denkt sich „Dafuq?! Ich hätte mir da jetzt gar nix bei gedacht. Bin ICH falsch gepolt oder sind die es?!“ oO

    Es ist jedenfalls höchst lächerlich.
    Aber wie sagte irgendwo irgendjemand? „Da hatten die ganzen Meckerer und Nörgler und Schwarzmaler so lange keine Gelegenheit, auf der WM und der Nationalelf rumzuhacken; da musste die Keule halt bei der ersten Gelegenheit ausgepackt werden, und sei der Anlass noch so profan.“ *tilt*

    • 16. Juli 2014 um 21:59

      Danke! Deine Meinung bedeutet mir echt viel!

      Das mit dem Moralpendel kenne ich auch und fühle mich manchmal ganz winzig klein und doof, so als wenn ich gestern aus der Baumschule geflüchtet sei und alle anderen viel schlauer seien als ich…

      Ein Erweckungserlebnis hatte ich bei der Neger-Debatte, die vor einiger Zeit durchs Web schwappte (die Älteren unter uns erinnern sich… Es ging um Pippi Langstrumpf und die kleine Hexe und was-weiß-denn-ich.). Eine FB-Bekannte schrieb etwas und nannte uns Wenigpigmentierte „Weißbrot“. Auf meine Frage, ob es denn okay sei, über Weiße despektierlich zu sprechen, brach in dem FB-Post ein Mini-Shitstorm (quasi im Wasserglas) los: Sicherlich sei das i.O. und man/frau dürfe sich auch nicht darüber beschweren, denn man/frau habe nie Unterdrückung wie die PoC (People of Color, A.d.R.) kennengelernt, sondern sei privilegiert und daher solle man/frau mal schön die Füße still halten und sich selbst geißeln. Oder so!

      • 16. Juli 2014 um 22:23

        Tja, politisch korrekt sein bitte, aber bitte nur die eine Seite. Erinnert mich ein bisschen an den ganzen Emanzenkram: Männer sollen sich an allen Ecken und Enden hinterfragen, zusammen- und zurücknehmen, aber was dann von einigen Emanzen wiederum an Zeug abgelassen wird…

        Ich mag diese ganzen Extreme nicht. Mit offenen Augen durch die Welt gehen und ein bisschen reflektiert sein, was den Umgang mit anderen Menschen angeht, ist sicherlich wünschenswert. Aber deswegen muss man doch nicht krampfhaft nach angeblicher political incorrectness suchen…

  2. 16. Juli 2014 um 22:53

    gaucho-gate…

    echt mal…mir fällt nix mehr dazu ein. das ist einfach alles nur höchstgradig bescheuert und was da jetzt wegen eines bescheuerten liedes (?) abgeht ist mehr als fragwürdig.

    ich altes weißbrot ess mir gezz ’n zigeunerschnitzel mit negerkuss zum nachtisch und danach kucke, ich, ob mir keiner die schlandcondome von den spiegeln gerupft hat (gegenüber ist ein türkisch geführtes wettbüro und nebenan eine italienische eisdiele…kann sich nur noch um sekunden handeln, bis unterdrückte minderheiten hier die bude anzünden)…und wo zur hölle is eigentlich mein stahlhelm…

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