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Der antike Götterbote


Heute habe ich mal wieder versucht, ein Päckchen bei Hermes aufzugeben. Ich verschicke da ja doch so ab und an mal was, nicht zuletzt wegen meines Flohmarkts.

Vor kurzem entdeckte ich die Hermes-App mit der Möglichkeit, einen mobilen Paketschein zu erstellen. Bisher habe ich immer alle Daten am Mac erfasst, den Paketschein ausgedruckt und dann mit viiiiel Tesafilm auf das Paket gepappt. Jetzt kann ich die Daten im iPhone erfassen und im Hermes-Shop wird dann nur noch ein in der App generierter QR-Code gescannt, der Adressaufkleber gedrückt und aufgeklebt. Finde ich genial!

In der Theorie!

Praktisch gestaltete sich die Paketangabe eher schwierig. Der Kiosk bei uns im Ortsteil hat Urlaub! 3 Wochen, also die kompletten Weihnachtsferien! Äh… Ja.

Der zweite Kiosk im Hauptort hatte auf. Er wird von einem uralten Männchen betrieben und auch die übliche Kundschaft rekrutiert sich aus einem Personenkreis, in dem ich mit meinen Ü50 das Durchschnittsalter schlagartig senke.

So stand ich dann auch heute geschlagene 10 Minuten im eisigen Wind – ich habe mir sogar meine Kapuze aufgesetzt und meine Handschuhe angezogen, obwohl ich allgemein als ausgesprochen kälteunempfindlich gelte – und wartete, bis die Omi vor mir alle ihre „Eine Frau schaut sie an“- und „TV brutal“-Zeitschriften ausgewählt hatte, nebenbei auch noch 2 Briefmarken zu 60 Cent („Entschuldigung, dass ich mich einmische, aber seit gestern beträgt das Porto für den Standardbrief 62 Cent, da brauchen Sie dann noch Zusatzmarken“ – „Och, das ist mir egal, dann sollen die eben nachzahlen!“ – „…oO…^^“) und Streichhölzer („Ich muss ja meine Kerzen anzünden.“). Versteht sich von selbst, dass sowohl die Briefmarken als auch die Streichhölzer immer erst dann verlangt wurden, nachdem das Kiosk-Hutzelmännchen den Gesamtkaufpreis schon addiert hatte. Und dass er daraufhin erneut anfing zu addieren – ganz von vorne! Und dann noch die Briefmarken aus einem 10er-Bogen ausschneiden musste. Und fast vergessen hätte, sie der Omi zu geben.

Währenddessen stand ich da so vor mich hin, fror mir den Arsch ab und sinnierte, ob ich denn binnen relativ kurzer Zeit auch so werden würde, dass ich es ü-ber-haupt nicht mitbekäme, wenn andere darauf warten, dass ich endlich zu Potte komme.

Nachdem auch der Austausch des Geldes stattgefunden hatte („Ach, die 50 Cent hab ich klein… – … Oder? … – … Ach nee, doch nicht… – … Oder? … – Ach, ich dachte, ich hätte die… – … Nee, doch nicht… – … Ich hab‘ doch so viel Kleines, da dachte ich… – Nee…“) und die vergessenen Briefmarken auch überreicht wurden und das Hutzelmännchen mit zittrigen Händen die Zeitschriften durch die Öffnung im Kioskfenster in die mit noch zitterigeren Händen aufgehaltene Tasche bugsiert hatte (Alle Achtung! Expertlevel! Der heiße Draht ist ein Scheiß dagegen!) war ich endlich an der Reihe.

Immerhin wusste ich noch, was ich da eigentlich wollte und streckte dem Hutzelmännchen sowohl mein Paket (zu-, aber nicht be-klebt) und mein iPhone mit dem QR-Code entgegen. Er nahm das Paket und drehte und wendete es und als er auf allen 6 Seiten keinen Aufkleber fand, schaute er mich fragend an. Ich deutete auf mein IPhone und schnatterte mit klappernden Zähnen „Mobiler Paketschein!“. Das beeindruckte ihn mal gar nicht! „Sie müssen einen Aufkleber drauf machen!“ – „Nein, das geht über diesen mobilen Paketschein! Sie müssen den scannen!“ – „Nein, das kann ich nicht! Mein Scanner *wedelmitebendiesem* scannt nur Barcode!“ – „Aber Hermes sagt…“ – „Ich kann damit nichts anfangen! Sie müssen einen Aufkleber draufmachen. Ich kann das nicht!“

Wir schreiben es jetzt mal den Außentemperaturen, die selbst das hitzigste Mütchen kühlen, und meinem leicht angefrorenen Zustand, zu, dass ich zugunsten meines Autos mit Sitzheizung darauf verzichtet habe, einfach mal den Kiosk samt Hutzelmännchen zu zerlegen.

Ich bin übrigens später noch fündig geworden und habe einen weiteren Hermes-Shop im Ort gefunden, der tat-sächlich-lich in der Lage war, den mobilen Paketschein einzulesen. War eine Sache von ca. 30 Sekunden, dann war das Paket gelabelt und bezahlt.

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  1. 3. Januar 2015 um 00:41

    Mwagahahahahahaaaaaaaa…sorry *grunz* aber ich kann mir das alles so leibhaftig vorstellen *gnihihihihi* und ich bin höchst beeindruckt ob ihrer Selbstbeherrschung. Dazu fällt mir direkt noch was in der Art ein *notier* mussichmabloggenmorgen

  1. 3. Januar 2015 um 14:57

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